WIE EIS – LIKE ICE
Weinviertler Fotowochen 2026
Workshop Judith Neunhäuserer: 25.7. – 1.8.2026
Ausstellung: 1.8. – 30.8.2026
mit Sonja Bachmayer, Georg Herder, Alex Kubik, Karin Mack, Andreas Nader, Alwa Petroni, Ernest Pointner, Herbert Sindl, Jens Jakob Thodberg, Liselotte Zvacek
Die Ausstellung präsentiert die Ergebnisse der 38. Weinviertler Fotowochen.
Ausstellungsfotos: Michael Michlmayr
WIE EIS. Die Temperaturen steigen, das ewige Eis schmilzt. Inseln werden verschwinden und die darauf ansässigen Menschen zur Migration gezwungen. Nicht nur der Planet kocht über, sondern auch das politische Klima. Es scheint absurd, dass die Hitze, die unser Ökosystem zerstören wird, durch soziale Kälte verursacht wird. Die vehementesten Leugner der Klimakatastrophe sind auch diejenigen, die mit unverhohlener Brutalität Menschen deportieren, ganze Landstriche devastieren, Lebensgrundlagen zerstören. No Future!, der Slogan der Punk-Generation wurde von den Technofeudalisten appropriiert und kommerzialisiert. Milliardäre müssen sich um die Zukunft, die nicht mehr existiert, keine Sorgen machen.
Wir treffen uns im Hochsommer und teilen Geschichten aus der Kälte. Die Erinnerung an den Winter wird zu Bildern von Eis, die in Zukunft vor allem im Gedächtnis fortbestehen werden. Das Phänomen Eis – Kristalle, Gletscher, Polregionen – wurde im Zeitalter der Romantik in der Wissenschaft und Literatur nicht nur physikalisch gedeutet, sondern symbolisch und spirituell aufgeladen. Wissenschaftliche Entdeckungen zeigten, dass Eis nicht totes Material ist, sondern vitale organische Eigenschaften besitzt; es wurde zum Spiegel für metaphysische Fragen. Im Workshop finden wir heraus, in welchen Formen Eis auftritt und mit welchen Assoziationen es versehen ist.
Judith Neunhäuserer, Workshopleiterin
Liselotte Zvacek: Schnee/Eis – Haut – Maschine
Seit dem Alter von eineinhalb Jahren auf Skiern, hat mich die Faszination für Schnee und Bewegung durch winterliche Landschaften nicht mehr losgelassen. Früh prägte mich die intensive Erfahrung der Natur: Erfrierungen im Gesicht hinterließen Spuren – eine bis heute empfindliche Haut. Das unmittelbare Erleben von Kälte und Sonne, sowie das Eintauchen in sich wandelnde Landschaften bildet den Kern dieser Arbeit.
Gleichzeitig wird das kritische Bewusstsein, der ökologische Fußabdruck winterlicher Infrastruktur, spielerisch übersetzt – in Form eines Objekts im Guckkasten wird diese Ambivalenz zwischen Begeisterung und Verantwortung sichtbar gemacht.
Georg Herder: ohne Titel
(5x Fine Art Pigmentdruck auf A2 Hahnemühle Fine-Art Baryta & 1 Eislandschaft 180 x 68cm)
Wenn die Temperaturen in das Unerträgliche steigen, hilft manchmal ein Blick ins Archiv: Welche Formen von Kälte und Eis haben sich dort in den letzten Jahrzehnten angesammelt und dokumentieren im Verschwinden begriffene Zeiten? Inspiriert vom Workshopthema „Wie Eis“ entstehen neue thematische Bildzusammenstellungen.
Alex Kubik: Wasserzauber in Wolkersdorf – eine Spurensuche
| Gemeindeabwasserverband Wolkersdorf, Pillichsdorf, Großengersdorf Kapazität: 2000m3/Tag |
Pillichsdorf |
| Feldbewässerung 12h mittag, wolkenlos 29° |
Pillichsdorf |
| Tümpel im Windschutzgürtel am Verdunsten |
Obersdorf |
Once the dead man has been washed with water, he can set out on a journey, often literally on a river on the way to the beyond, and the mythical hydrology on that route is always the same: at the end of their journey they reach a body of water. Once crossed the river Acheron you can detach all memories taking a mouthful of the river Lethe or remain while
having gulps from Mnemosynes pond of remembrance.
Text- und Bildquellen: Ivan Illich, Alex Kubik, Sonja Bachmayer, Georg Herder
Jens Jakob Thodberg: Der innovative Weinbauer (Video), Eis und Feuer (Fotografien)
„Wo finde ich Eis in Wolkersdorf?“, war die Frage, die ich zu Workshopbeginn an einem heißen Julitag stellte. Mit der freundlichen Unterstützung von Herrn Klaus gelang es mir, Eiswürfel zum Brennen zu bringen. Fünf Fotos zeugen von diesem unmöglichen Vorgang; über Kopfhöhe gehängt, durchwandern sie alle Ausstellungsräume und wirken von
Weitem wie Feuerbälle im Weltall.
Dass Eis schmilzt und unsere Sommer heißer werden, liegt an der Erderwärmung. Diese zeigt sich auch hier: Walter Erlacher, ein lokaler Weinbauer, erklärte mir im Interview die neuen Herausforderungen für seinen Berufsstand und dass sich der Geschmack des Grünen Veltliners verändern wird.
Alwa Petroni: Winter is leaving
(„Camo-coco“, historisches Outfit nach Originalschnitten von 1790 und Fotos, Hochstraß, 2025)
Der Winter als langsam verschwindende Jahreszeit, Bilder von in unseren Breiten rar gewordenem Eis werden mit einer Kinderrodel als Reminiszenz an unsere Erinnerung an frühere Winter langsam aus dem Raum gezogen. Das historische Kostüm, nach Schnitten für die modische Kleidung der europäischen Oberschicht gegen Ende des 18. Jahrhunderts, erinnert dabei an anderes. Hatten früher lange kalte Winter nur für die Wohlhabenden wenig Bedrohliches, so kommt die Bedrohung heute von der zunehmenden gesellschaftlichen Kälte, befeuert durch die Gier weniger.
Ernest Pointner: Meine persönliche Eiszeit
Die Arbeit zeigt meine ersten Lebensjahre in der Sowjetunion! Meine Eltern wurden kurz nach dem 2. Weltkrieg 1946 zwangsweise von Berlin aus von den Sowjets nach Moskau verschleppt. Dort wurde ich 1947 geboren. Mein Vater musste als Konstrukteur 6 Jahre lang für die Sowjets arbeiten. Erstaunlicherweise konnten meine Eltern nebenbei privat fotografieren. Im Mai 1953 kehrte die Familie Pointner mit etwas Hab und Gut und mit ca. 100 Filmen sowie etlichen Fotoalben über Berlin nach Wien zurück. Ich konnte daher im September 1953 meine Schulzeit in Wien beginnen. Die vorliegende Fotoarbeit habe ich aus dem Nachlass meiner Eltern zusammengestellt.
Herbert Sindl:Schneewechte
Wind und Wetter und Schneekristalle formen Schnee zu Hügeln entlang von Hürden. Hürden wie Sträucher, Bodenverwerfungen und Fangzäune. Manches verschwindet und manches taucht dabei auf. Schnee ist dabei in der Farbe nicht monochrom. Weiß und grau wechselt im Licht und im fahlen Dunkel. Diese Formen lagern, halten und tauchen in meiner Installation in einem gemeinsamen Moment gleichzeitig auf. Die Fotos dazu entstanden in den Wintermonaten 2013 und 2023.
Karin Mack: Im Eis
In den 1950er Jahren hat es im Winter noch geschneit, sodass Skifahren im Wienerwald und im Kaasgraben noch möglich war. Die Pisten haben wir uns selber getreten. In den 1960er Jahren kamen meine Kinder zur Welt, die Skiindustrie hatte sich weiter entwickelt und die Ausrüstung wurde für uns zu teuer.
2005 ist mein niederländischer Mann gestorben, der von Island erzählt hat und Islandpferde für seine Kinder gekauft hatte. 2014 und 2015 brach ich nach Island auf. Die Gletscherlagune mit den kleinen und großen Eisbergen war sehr beeindruckend. Die Fotos davon wurden Teil meines Buches über besondere Phänomene der Insel. Und daraus entstanden dann meine Arbeiten für den Workshop.
Andreas Naderer
Die Arbeiten sind Teil eines Projekts über den Dachstein. Ausgangspunkt ist ein Foto aus dem Familienarchiv meiner Großmutter, dem aktuelle Aufnahmen in unterschiedlichen Medien gegenübergestellt werden. Das Video zeigt vom schmelzenden Gletschereis freigegebene Fundstücke, die wie Produktfotografien inszeniert sind. Der Leuchtkasten präsentiert eine analoge Aufnahme mit Lichtlecks, deren Bildfehler den Wandel der Landschaft spiegeln. So verbinden die Arbeiten persönliche Erinnerung mit den Spuren klimatischer Veränderung.
Sonja Bachmayer:Urban Fiction
Urban Fiction – nur ohne Fiktion. Die Seestadt Aspern wirkt wie eine erfundene Welt mit eigener Topografie und eigenen Regeln. Über Jahre habe ich die Entwicklung von der Baustelle zur futuristischen Stadtlandschaft fotografisch begleitet.
Inzwischen haben die Bewohner längst die Kulisse übernommen – die Skurrilität des Schauplatzes erfährt dadurch eine neue Bereicherung.
Judith Neunhäuserer, Ice Core, 2018


JUDITH NEUNHÄUSERER
geboren in Bruneck, Südtirol, ist eine international tätige bildende Künstlerin, die in München lebt und arbeitet. Sie studierte Bildhauerei sowie Religions- und Kulturwissenschaft in München und Istanbul. In ihrer künstlerischen Praxis verbindet sie verschiedene Medien – von Zeichnung, Objekt und Installation bis zu Video, Performance und Text – und untersucht dabei Bilder und Geschichten aus Wissenschaft, Religion und deren Schnittmenge.
Neunhäuserers Arbeit ist geprägt von Expeditionen in extreme Umgebungen: Sie reiste zur Antarktis- Forschungsstation Neumayer III, fuhr auf einem Containerschiff über den Atlantik und segelte die Westküste von Spitzbergen im arktischen Ozean entlang. Diese Erfahrungen prägen neben einer kontinuierlichen Literaturrecherche ihre Auseinandersetzung mit den Polargebieten unseres Planeten sowie mit historischen und politischen Fragen rund um den menschengemachten Klimawandel.
Judith Neunhäuserer erhielt viele Stipendien und Auszeichnungen, darunter den Preis des Landes Südtirol im Österreichischen Grafikwettbewerb (Innsbruck, 2023) und den Premio EARTH (Verona, 2024). Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen und Gruppenausstellungen in Galerien, Kunsträumen und Institutionen gezeigt. Sie veröffentlichte bisher Albedo (2018), Tekeli-li (2021) und Old Ice and Us (2024) und vermittelt ihre künstlerische Forschung darüber hinaus in Workshops und Vorträgen.























