
FLUSS 04 – 25
- Texte:alien productions, Martin Breindl, Bernhard Kathan,
Gerda Lampalzer, Peter Zawrel, sowie kuratorische Texte zu den Ausstellungen und Aktivitäten - Redaktion:alien productions (Martin Breindl, Norbert Math, Andrea Sodomka), Elisabeth Rudolf (Redaktionsassistenz)
- Herausgeberin:FLUSS – NÖ Initiative für Foto- und Medienkunst
- ISBN 978-3-200-11350-3
Als FLUSS im Dezember 1989 von einer kleinen Gruppe von Fotokünstler:innen und an der künstlerischen Fotografie Interessierten gegründet wird, geschieht dies vor der Kulisse epochaler Umwälzungen. Der Eiserne Vorhang ist eben zerrissen, die beiden politischen Machtsphären, die Europa in ein West und ein Ost einzementiert hatten, sind zerbröckelt, Francis Fukuyama verkündet das „Ende der Geschichte“, und am CERN bei Genf entstehen die Grundlagen für das World Wide Web, mit dem das Internet einige Jahre später seinen Siegeszug antreten und damit den Globalisierungsschub einläuten wird. Das Gespenst des Neoliberalismus, das bereits auf der Müllhalde der Geschichte abgeladen war, erhebt sich von Neuem, aber das ahnen wir noch nicht.
Im niederösterreichischen Weinviertel, das aus der Abgeschlossenheit des Grenzlands in eine zentraleuropäische Region hineinkatapultiert wird, entwickelt FLUSS in den euphorischen Folgejahren, als sich alles zum Besseren zu wenden scheint, eine rege Ausstellungs-, Workshop-, Vortrags- und Publikationstätigkeit. Das Schloss Wolkersdorf wird zum Zentrum des schnell wachsenden Vereins, der sich nicht nur einer größeren Zahl von Künstler:innen öffnet, sondern auch verschiedenen anderen Medien. Ohne den zentralen Fokus auf die Fotografie aufzugeben, bilden die Aktivitäten eine aktuelle Entwicklung ab: dass die Fotografie, forciert durch die zunehmende Digitalisierung, mehr und mehr Verknüpfungen und wechselseitige Beziehungen mit anderen Medien und Ausdrucksformen eingeht. Ein Paradigmenwechsel Anfang der 2000er Jahre am Rande des Iconic Turns, mit dem sich eine pessimistischere Phase des Weltgeschehens ausbreitet, bringt für FLUSS einerseits eine Expansion und zahlreiche Kooperationen mit internationalen und heimischen Institutionen und Festivals in Form von Symposien, Austauschausstellungen und -projekten, andererseits ein Erliegen der Publikationstätigkeit in Printform. Ein Buch zum 25-jährigen Bestehen ausgenommen, das die mittlerweile beinahe 100 Vereinsmitglieder mit ihren Arbeiten präsentiert, werden unsere Dokumentationen ab 2004 ausschließlich im Internet veröffentlicht.
Seit einiger Zeit befindet sich die Welt erneut in dramatischen Umwälzungen, deren Ausgang völlig ungewiss ist. Mit dieser Publikation wollen wir ein Zeichen setzen gegen die Ängste und Sorgen, die uns bedrängen. Mit den Aktivitäten der letzten 22 Jahre als Beweis, dass künstlerisches Handeln immer noch sinnvoll und notwendig ist. Sie ist ein Ausrufungszeichen. Allen gewidmet, die dazu beitragen, beigetragen haben und beitragen werden, dass dieses Handeln noch möglich ist: den Fördergeber:innen, Unterstützer:innen, Kooperationspartner:innen, Kurator:innen, Mitarbeiter:innen, und nicht zuletzt allen Künstler:innen innerhalb und außerhalb des Vereins, die ihn durch ihr Engagement, ihre Projekte und ihre Werke lebendig erhalten.
Vorwort von alien productions






