
Encaged Freedom © David Ristic
Kreativität, Nachhaltigkeit und Vernetzung im realen Raum
Der Schwerpunkt der Offenen Werkstatt 2026 beschäftigt sich mit der Erforschung von „sozialen Netzwerken“. Künstlerische Projekte untersuchen, wie Pflanzen miteinander verbunden sind, wie sie konkurrieren, kooperieren oder gemeinsam wachsen. Dabei wird erforscht, ob in der Natur ähnliche „Machtverhältnisse“ und demokratische Strukturen entstehen wie in digitale Netzwerken: Wer tritt in den Vordergrund, wer bleibt im Hintergrund, und wie entsteht Gleichgewicht oder Vielfalt im System? So wird auf kreative Weise sichtbar, wie Biodiversität funktioniert und warum Zusammenarbeit und Vielfalt im Ökosystem wichtig sind.
Ein weiterer Fokus liegt auf sozialer Nachhaltigkeit in Schulen und Universitäten: Wie können wir gemeinsam lernen, achtsam miteinander umgehen und neue Formen der Zusammenarbeit entwickeln?
arts of change – change of arts
Unter dem Titel „arts of change – change of arts“ realisiert der Verein forum n seit sieben Jahren ein disziplinen-übergreifendes Förderprogramm, welches Kunststudierenden in ganz Österreich Themenkomplexe rund um soziale Nachhaltigkeit und sozio-ökologische Transformation näherbringt. Im Rahmen der Offenen Werkstatt 2026 werden ausgewählte Kunstwerke aus unterschiedlichen Sparten gezeigt, die Nachhaltigkeit aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten.
Die Installation “1, 800, 000, 000, 000 (1.8 trillion)” von Cornelia Dirnberger macht die Verschmutzung des Nordpazifiks durch Plastikteile über das Cyanotypie-Verfahren zugänglich. In ihrer Videoarbeit “Failing” untersucht die Künstlerin Larissa F. Zekl das Scheitern als kreativen Prozess; räumlich begleitet wird das Video-Screening von einem toten Baum. Eine weitere Videoarbeit derKünstlerin Радост stellt ebenfalls einen Baum ins Zentrum des Geschehens; in “THE TREE: story of a friendship” geht es um die Geschichte einer Freundschaft zu einem Pappelbaum.
Konstantina Maria Serjannis wiederum widmet sich in ihrer Fotoserie “hands on – hands off” dem Boden als Schauplatz ambivalenter Mensch-Natur-Verhältnisse. Mit entlegenen Orten, an denen die Natur sich ihren Platz zurückerobert und menschliche “Machtverhältnisse” eine neue Definition erfahren, hat sich auch die Künstler:innengruppe rund um “PATSCHHHH” auseinandergesetzt. Laura Ettel, Katia Koohestani, Sofia “Fia” Gutierrez Escobar, David Ristic, Marieluisa Lenglachner (Lou), Mehrta Shirzadian und Alexandra Kraler haben verlassene Sandtennisplätze neben Wasserkraftwerken und das Konzept des Hydrofeminismus zum Thema ihres multimedialen Kunstwerkes gemacht.
Die Mixed Media-Installation “Zwischen Einengung und Ausbruch” von Julia Hovorka und Nora Mühlögger bringt grundlegende Aspekte sozialer Nachhaltigkeit in den Ausstellungsraum: unsichtbare Systeme der Unterdrückung und patriarchale Rollenbilder werden über Materialien wie Metall, Ton und Nylonstrümpfe addressiert. Das Erforschen von soziale Strukturen ist außerdem zentrales Thema einer Gruppe aus darstellenden Künstler:innen, Tänzer:innen und Musiker:innen – Josefine Merle Häcker, Rosa Zach, Gloria Berghäuser, Alma Neudecker-Kobald sowie Carolina Caballero. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Feldforschungsarbeit zum Oberthema FLINTA*Empowerment im Zuge dieser Ausstellung zu sehen sein und Interaktionen mit den Bewohner:innen von Wolkersdorf abbilden.
Besucher:innen sind schließlich eingeladen, mit einer textilen Installation im Stiegenhaus des Schlosses über den Ausstellungszeitraum hinweg zu interagieren: „Whatever happens to the wings“ von Julia Herzog und Tereza Sykorova besteht aus einer Vielzahl von weißen Schmetterlingsflügeln und lungenflügel-förmigen Deckenelementen, Sie zielt darauf ab, konträre Dimensionen gemeinschaftlicher Heilungsprozesse miteinander in einem Kunstwerk zu vereinen und die Relevanz von Zusammenarbeit und Mitgestaltung einer:s jeder:n Einzelnen unmittelbar in den Ausstellungsraum zu integrieren.
“arts of change” wird vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung, der Österreichischen Hochschüler:innenschaft sowie den folgenden sechs Kunsthochschulen gefördert: Universität für angewandte Kunst Wien, Akademie der bildenden Künste Wien, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Kunstuniversität Graz, Kunstuniversität Linz sowie Universität Mozarteum Salzburg. Großen Dank außerdem an die großzügige Spende von Anna Struth an den Verein forum n für das Projektjahr 2026.
Durchgang (Passage), 2026
Rauminstallation von Anat Stainberg

Durchgang wurde eigens für die Offene Werkstatt – FLUSS im Schloss Wolkersdorf entwickelt und ist eine ortsspezifische Rauminstallation, die einen der Marek-Räume in ein dreidimensionales Bühnenbild für ein abstraktes Stück über Zeit, Rhythmus und Wahrnehmung verwandelt.
Durch das Zusammenspiel abstrakt-minimalistischer Malerei, einer räumlichen Komposition aus pinkem Neonband und skulpturalen Lichtinstallationen wird die historische Architektur des Schlosses zu einem performativen Erfahrungsraum. Rotierende Elemente bewegen sich in unterschiedlichen Rhythmen und verdichten sich zu einem kontinuierlichen Kreislauf – einer endlosen Bewegung ohne Anfang und Ende.
Die Installation lädt dazu ein, den Blick vom unaufhörlichen Strom der Bilder und der Beschleunigung des Alltags abzuwenden. Stattdessen eröffnet sie einen Raum für Konzentration, Präsenz und das bewusste Erleben von Zeit – zwischen Beständigkeit und Vergänglichkeit.
Die Besucher sind eingeladen, das Metronom aufzuziehen, Platz zu nehmen und sich bewusst Zeit zu nehmen. So entsteht ein Moment der Entschleunigung, in dem Gedanken, Erinnerungen und Reflexionen ihren eigenen Rhythmus entfalten können.
Material: Wandfresko (Acryl), Papierarbeiten auf Papier (Öl, Bleistift, Pigmentpulver und Acryl) in unterschiedlichen Formaten, pinkes Neonband, drei elektrische Spiegelkugelmotoren, Drehbühne, Holzstühle, Metronom, Farbfilterkomposition sowie PAR-16-Scheinwerfer.
Developed for the Offene Werkstatt – FLUSS at Schloss Wolkersdorf, Durchgang is a site-specific installation that transforms one of the Marek Rooms into a three-dimensional stage set for an abstract play about time, rhythm, and perception.
Combining abstract minimalist paintings, a spatial composition of pink neon tape, and sculptural light installations, the work activates the historic architecture of the castle as a performative environment. Rotating elements move at different rhythms, forming a continuous cycle—an endless movement without beginning or end.
The installation invites visitors to shift their attention away from the constant flow of images and the acceleration of everyday life. Instead, it opens a space for presence, contemplation, and an awareness of time unfolding between permanence and transience.
Visitors are invited to wind the metronome, take a seat, and spend as much time as they wish, allowing thoughts, memories, and moments of reflection to emerge at their own pace.
Materials: Acrylic wall fresco; works on paper using oil, pencil, pigment powder, and acrylic in various formats; pink neon tape; three electric mirror-ball motors; rotating stage; wooden chairs; metronome; colour gel composition; and PAR-16 spotlights.
Anat Stainberg arbeitet zwischen Performance, Malerei und Installation sowie als Kuratorin und Performerin. Ihre Praxis verbindet theatrale und visuelle Strategien und untersucht die Übergänge zwischen Realität und Fiktion, Körper und Bild. Sie lebt und arbeitet in Wien und ist Teil des Kurator:innenteams der Performance-Reihe Der Blöde Dritte Mittwoch sowie der experimentellen Theatergruppe Toxic Dreams.
https://anat.klingt.org/
https://www.instagram.com/anatstainberg/
Anat Stainberg works across performance, painting, and installation, and is also active as a curator and performer. Her practice combines theatrical and visual strategies to explore the intersections of reality and fiction, body and image. She lives and works in Vienna and is a member of the curatorial team of the performance series Der Blöde Dritte Mittwoch and the experimental theatre company Toxic Dreams.













