Heinz Cibulka
(16.1.1943–14.8.2026)
Wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation hat sich Heinz Cibulka einem offenen Werkbegriff verpflichtet. Die Neugier und Unbefangenheit, mit denen er sich die verschiedensten Medien – seien es traditionelle wie Objekt, Text oder Performance, seien es neue wie Fotografie, Video oder Computergrafik – aneignete und zu Werkzeugen seiner Welterfahrung machte, spiegeln seinen offenen Ansatz wider, mit dem er den Phänomenen der Welt, des Lebens und der Kreatürlichkeit nachspürte.
Anders als seine aktionistischen Künstlerkollegen (und teils Vorbilder), die ihr Œuvre dem Diktum des Gesamtkunstwerks zu unterwerfen trachteten, verzichtete Heinz Cibulka bewusst auf den großen Gestus einer Welterklärung. Etwaig aufkeimende Virtuosität beharrlich umschiffend, entwarf er Artefakte, die – ihrer formalen Strenge zum Trotz – Bruchlinien und Nahtstellen nicht verbergen, sondern augenscheinlich thematisieren. Die von ihm verwendeten Medien stehen in vibrierenden Spannungskonzeptionen zueinander; dies kann als Hinweis auf seine Methode gelesen werden: das Nachgehen nach unbewussten Regeln.
Heinz Cibulkas aktionistische Geste lag eher in der Weise, wie er die Reize seiner Umgebung aufnahm, und weniger darin, wie er sie wiedergab. Dass er, um dieses zu erreichen, seinen Sinnesapparat oft mit technischen Apparaturen koppelte, deren »professionelle« Handhabung er beharrlich verweigerte, unterstreicht den experimentellen Charakter sowohl seiner Herangehensweise als auch seines Werkes. Auch wenn die einzelnen Arbeiten klar und ersichtlich vor Augen stehen, verbleibt in ihnen immer ein ungewisser offener Rest. Sie sind nie fertig in dem Sinn, wie auch die Welt nie als fertig anzusehen ist.
Aber nicht nur als Künstler war Heinz Cibulka aktiv. Als er, gemeinsam mit Helmut Kandl (vormals Schäffer) und einigen wenigen Gleichgesinnten, 1989 im ländlichen Weinviertel FLUSS als Initiative zur Förderung der künstlerischen Fotografie gründete, geschah dies in der Absicht, Künstlerkolleg:innen einen Ort der Präsentation, Auseinandersetzung und Disposition ihrer fotografischen (und später medienkünstlerischen) Arbeiten zu schaffen. Durch sein unermüdliches Engagement, durch zahlreiche Kooperationen und nicht zuletzt durch seine prägende Persönlichkeit erreichte er es, den Verein, dem er zwölf Jahre – 1989 bis 2001 – als Obmann vorstand und dessen Programm er großteils gestaltete, zu einer international beachteten und geschätzen Institution zu formen. Als er die kuratorische Programmierung von FLUSS in unsere Hände legte, zog sich Heinz Cibulka zwar von seiner Vorstandsposition zurück, gestaltete aber über viele Jahre noch Veranstaltungen und Ausstellungen mit, so etwa die Nachbar[i]n-Serie, einen Austausch mit Künstler:innen aus den angrenzenden Nachbarstaaten.
Alles, was wir seitdem bei FLUSS geleistet und entwickelt haben, konnte auf dem soliden Fundament aufbauen, das wir im Wesentlichen Heinz Cibulka zu verdanken haben. Das kann nie oft genug betont werden.
Mit Heinz Cibulka verband uns eine über 30-jährige gegenseitige Wertschätzung, die aus Neugier auf die jeweiligen künstlerischen Positionen immer wieder zu fruchtbaren Zusammenarbeiten geführt hat. Mit besonderer Freude haben wir seine Einladung angenommen, 2012/13 seine große retrospektive Ausstellung, Im Takt von Hell und Dunkel, im MZM Hermann Nitsch Museum, Mistelbach, zu kuratieren und gestalten. Auch die Arbeit an der Ausstellung Analoge Anmaßungen anlässlich seines 80. Geburtstages 2023 bei FLUSS war eine großartige Erfahrung. Für all das – und für das dadurch ausgedrückte Vertrauen – danken wir ihm. Wir sind stolz darauf, einer so großartige Künstlerpersönlichkeit begegnet zu sein und ein Stück des Weges gemeinsam zurückgelegt zu haben. Wir werden Heinz Cibulka schmerzlich vermissen. Aber wir sehen den ungewissen offenen Rest, mit dem er uns zurückgelassen hat, als Ansporn und Aufgabe, uns weiterhin mit unersättlicher Neugier der Welt zu nähern, die nie als fertig anzusehen ist.
alien productions [ Martin Breindl | Norbert Math | Andrea Sodomka ], August 2026
Ausgewählte Projekte von und mit Heinz Cibulka
Ausstellung Analoge Anmassungen, 2023


Essen mit Tieren
Ein Event anläßlich der Ausstellung „Im Takt von Hell und Dunkel“ von Heinz Cibulka am 13. Oktober 2012.
MZM Museumszentrum Mistelbach.
Nach einer Idee von Heinz Cilbulka inszenierten alien productions ein „Essen mit Tieren“, in dem Gänse, Ziegen, Schweine, Hasen und ein Pferd TischgenossInnen jener Lebewesen wurden, von denen sie normalerweise verspeist werden.

Feldforschung – Fleisch – Papier – Erde
Öffentlicher Raum, im Gelände der Landwirtschaftlichen Fachschule Mistelbach
Workshop vom 28. Juli bis 4. August im Rahmen der „Weinviertler Fotowochen 2012 – Eine Art Land“, veranstaltet von FLUSS – NÖ Initiative für Foto- und Medienkunst, in Zusammenarbeit mit dem MZM Hermann Nitsch Museum Mistelbach und der Landwirtschaftlichen Fachschule Mistelbach.
Mit Ludwig Bernhard Eder, Lothar Gödl, Alex Kubik, Christian Möser, Wolfgang Müllner, Ernest Pointner, Christiane Simons, Andreas Stasta, Monika Ulbrich und Philipp Cibulka






